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UPC: 689992093353
ProductGroup: Kitchen EAN: 0689992093353
Manufacturer: Pizuna Brand: Pizuna
Label: Pizuna MPN: Not Applicable
Color: Beige Publisher: Pizuna
ISBN: Not Applicable

TROTZ SEINES IMMENSEN Wirtschaftswachstums um mehr als sechs Prozent im vergangenen Jahr zählt Ruanda zu den ärmsten Ländern Afrikas.Kaeppel Mako-Satin Bettwäsche Interactive Gestreift Grau Grün Geschuldet ist dies strukturellen Problemen, einer hohen Bevölkerungsdichte und dem Völkermord an den Tutsi 1994. Langfristig arbeitet das „Land der tausend Hügel“ intensiv daran, ein ‚Middle Income Country‘ zu werden. Welche Fortschritte dabei gemacht werden, wie Investoren ins Land gezogen und der wachsende Energiebedarf gesättigt werden soll, erklärt Botschafterin I.E. Christine Nkulikiyinka im Interview.

Frau  Botschafterin, Ruanda hat eine bewegte Geschichte. Nach der Kolonisation Ende des 19. Jahrhunderts und der Unabhängigkeit 1962 ereignete sich 1994 ein Genozid, der mehr als einer Million Menschen das Leben kostete. Nachdem am 6. April 1994 das Flugzeug des damaligen Staatspräsidenten beim Landeanflug auf Kigali abgeschossen wurde, töteten in annähernd 100 Tagen Angehörige der Hutu- Mehrheit etwa 75 Prozent der Tutsi Minderheit sowie dissidente Hutu. Wie ist das Verhältnis zwischen den beiden Gruppen heute?

Der sozio-ökonomische Kontext, der 1994 zum Genozid an den Tutsi und Massenmord an denjenigen, die mit ihnen sympathisierten, fuührte, ist sehr komplex. Um dies detailliert erläutern zu können, bräuchten wir ein Extra-Interview. Aber so viel kann ich Ihnen sagen: Ein wilder Stammeskonflikt, wie es in vielen Medien dargestellt wurde, war es nicht. Der Genozid war das Werk einer wohlhabenden Elite, die ihre Macht um jeden Preis erhalten und ihre Privilegien verteidigen wollte. Die Konfliktursachen gehen viele Dekaden zurück. Machtinteressen, Angst und Misstrauen gegenüber der durch die Kolonialherren künstlich geschaffenen Unterschieden zwischen Hutu und Tutsi, die Flüchtlingsproblematik ebenso wie die seit der Unabhängigkeit 1962 immer wieder verübten Massaker an den Tutsi, spielen hier hinein. Der Wunsch vieler vor 1994 geflohener Tutsis, nach Ruanda zurückzukehren, erzeugte Angst um den Machterhalt der damaligen Regierung, die ihrerseits für eine angespannte Situation sorgten. Der Abschuss der Maschine des Präsidenten war 1994 daher lediglich ein Auslöser. DESPICABLE ME MINIONS BUBBLES PUZZLE MAZE KIDS FUN GIFT WAND TOY PARTY BIRTHDAYVor diesem Hintergrund muss man auch das Verhältnis der beiden Gruppen sehen: Vor der Kolonialzeit waren Tutsi diejenigen, die hauptsächlich Viehzucht betrieben, während Hutu in erster Linie Ackerbauern waren. Die belgischen Kolonialherren führten die Zwangsarbeit ein und ließen die Kategorien Hutu, Tutsi und Twa im Verständnis einer Rassenideologie in die Personalausweise der Ruander eintragen. Soziale Unterschiede wurden so zu biologischen erklärt – die Tutsi wurden als Eliten besonders gefördert. Dies führte im Laufe der Geschichte zur Forcierung einer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. Kurz vor der Unabhängigkeit erzwangen Hutu-Parteien die Umkehrung der Machtverhältnisse. Dies geschah jedoch in einem Klima der Gewalt und führte zu ersten Pogromen. Es folgten über die Dekaden immer wieder Wellen der Gewalt gegen die Tutsi. Es war die extremistische politische Führung, die diese Gruppenkategorien instrumentalisierte und einen Teil der Bevölkerung gegen den anderen aufhetzte. In den Schulen, auf den Feldern, in den Städten und Dörfern und auf den Märkten lebten und leben die verschiedenen Gruppen jedoch miteinander. Sie teilen dieselbe Sprache, dieselbe Kultur, dieselben Sorgen und heiraten auch untereinander. Auf dieser Ebene ist das Verhältnis der Gruppen untereinander heute wieder sehr gut. Vor dem historischen Hintergrund legt unsere Regierung besonderen Wert darauf, dass allen Ruandern, unabhängig von ihrer Gruppenzugehörigkeit, die gleichen Türen offen stehen und dass sich jeder entsprechend seinen Begabungen frei entfalten kann. Die Gruppenzugehörigkeit ist aus unseren Ausweisen verschwunden und spielt in unserer Verwaltung keine Rolle mehr. Wir identifizieren uns mit einer Identität als Ruander.

Nach dem Genozid gegen die Tutsi flohen hunderttausende Hutu in die heutige Demokratische Republik Kongo, darunter viele Täter, die zur Wiedereroberung Ruandas rüsteten. 1998 beteiligte sich Ruanda am Zweiten Kongokrieg, um die geflohenen Reste der Interahamwe- Milizen der Hutu-Extremisten zu verfolgen. Bild auf Leinwand Mausoleum in Bilbao s cemetery, Spain 2002 wurde ein Friedensabkommen mit dem Kongo geschlossen und der kongolesische Präsident kündigte 2007 die Entwaffnung der Hutu-Milizen an. Der Kampf zwischen der kongolesischen Regierung und den verschiedenen Rebellengruppen dauert bis heute an. Wie stehen Kongo und Ruanda zueinander?

Sie können sich vorstellen, dass bei den Ereignissen, die Sie genannt haben, und noch weiteren unbenannten das Verhältnis kein leichtes ist. Aber wir arbeiten ernsthaft an guten Nachbarschaftsbeziehungen. Anfang letzten Jahres haben wir gemeinsam mit zehn weiteren afrikanischen Staaten, nämlich der DR Kongo, Uganda, Tansania, Südsudan, der Zentralafrikanischen Republik, Sambia, Südafrika, Angola, Kongo-Brazzaville und Burundi, einen „Rahmenplan für Frieden, Sicherheit und Kooperation in der DR Kongo und der Region“ unterzeichnet, der genau dieses Ziel unterstreicht. Für uns ist vor allem wichtig, dass Sicherheit, Stabilität und Frieden in unserem Land gewährleistet sind. Die Friedensdividende trägt mittlerweile ihre Früchte in unserem wirtschaftlichen Aufstieg.Bild auf Leinwand Beautiful ghost girl in Weiß dress Wir denken, dass sich unsere positive wirtschaftliche Entwicklung auch auf die Region auswirken und mit dazu beitragen kann, jungen Menschen Perspektiven in einer friedlichen Umgebung zu eröffnen.

Gegen Ruandas Präsidenten Paul Kagame und weitere Leitungskräfte der RPF sind wiederholt Ermittlungen aufgenommen worden. Der französische Ermittlungsrichter Jean-Louis Bruguière erhob gegen Präsident Kagame und neun weitere Personen Anklage aufgrund des Verdachts, sie hätten die Präsidentenmaschine am 6. April 1994 abgeschossen. Daraufhin wurden die diplomatischen Beziehungen zwischen Ruanda und Frankreich abgebrochen. Auch die Beziehungen zu Deutschland waren 2008 in eine Krise geraten, nachdem eine Vertraute Kagames in Frankfurt verhaftet wurde. Wie positioniert sich Ruanda heute zu Frankreich und Deutschland?

Restwave Bamboo Fiber Weighted Blanket Cover 60 X80 Duvet Cover, Queen Größe andUnsere Beziehungen zur Bundesrepublik sind heute sehr gut. Sie beruhen auf einer gefestigten, belastbaren Partnerschaft, in der ehrlich miteinander umgegangen wird. Bilaterale Regierungsverhandlungen finden im Herbst statt, und wir haben bereits eine Vielzahl von Kooperationsbereichen für die nächsten Jahre gemeinsam ausgewählt. Wir haben mit unserer Vision 2020 eine eigene Zukunftsvision formuliert. Wir begrüßen es sehr, dass Deutschland uns dabei und in unseren Prioritäten unterstützt. Auf privatwirtschaftlicher Ebene gibt es ebenfalls eine gute und steigende Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen. Was die Zivilgesellschaft angeht, so besteht unsere Partnerschaft mit Rheinland-Pfalz seit über 32 Jahren. Hier bestehen Partnerschaften zwischen mehr als 250 Schulen und 50 Gemeinden. Gegenseitige Besuche stärken die persönlichen Beziehungen. Das Verhältnis zu Deutschland ist sowohl auf der hochpolitischen als auch auf der bürgerlichen Ebene als sehr gut zu bezeichnen. Übrigens, deutsche Staatsangehörige benötigen kein Visum, um Ruanda zu besuchen. Unsere Beziehungen zu Frankreich sind in dieser Hinsicht nicht zu vergleichen. Frankreich hat vor dem Völkermord das damalige Regime stark unterstützt und militärisch ausgerüstet. Die Vorwürfe des inzwischen abgesetzten ehemaligen französischen Richters Bruguière haben sich mittlerweile nachweislich als falsch und grundlos herausgestellt und er selbst war in den Medien umstritten. Die von ihm erhobenen Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Absturz der Präsidentenmaschine sind inzwischen von seinem Nachfolger im Amt, Herrn Trevidic, widerlegt worden. Gerahmt Transformers 4 eine Blatt Poster Fertig Zum Aufhängen - Auswahl RahmenAuf der anderen Seite bleiben aber sehr viele Fragen offen bezüglich der Rolle Frankreichs während des Völkermords und während der Operation Türkis, die Frankreich gegen Ende des Genozids 1994 in Ruanda leitete. Hier besteht noch viel Aufklärungsbedarf, insbesondere bei den Gräueltaten, die in der sogenannten „humanitären Schutzzone“ geschahen. Der Radiosender RTLM, der zur Ermordung der Tutsi aufrief, sendete z. B. auch aus dieser sogenannten Schutzzone.

Heute steht Ruanda manchmal international in der Kritik wegen mangelnder Pressefreiheit sowie Unterdrückung der Opposition. Wie steht es um die Demokratie in Ihrer Heimat?

Um die Demokratie in meiner Heimat steht es sehr gut. Erst im letzten Jahr hatten wir Parlamentswahlen, die von den Wahlbeobachtern der AU als fair, demokratisch und als mit unserer Verfassung übereinstimmend bewertet wurden. Die Vorwürfe mangelnder Pressefreiheit und Unterdrückung der Opposition kenne ich, finde aber, dass hier häufig einseitig argumentiert wird. Gerade in Deutschland und auch Europa im Allgemeinen ist die Demokratie in der heutigen Form weder sehr alt noch über Nacht entstanden. So etwas braucht Zeit und gerade in Ruanda sollte man den Blick auf den Kontext des Landes, seine Geschichte und vor allem die innere Perspektive nicht völlig außen vor lassen. Viele meinen, dass das, was man hier in Deutschland heute kennt, universal und sofort auch genauso woanders gelten müsse, unabhängig vom Kontext, vom kulturellen Verständnis, von der jüngsten Geschichte und der gesellschaftlichen Entwicklung. Ich denke, dass man schauen muss, wo eine Gesellschaft steht und woher sie kommt. Was die Menschen tatsächlich als Priorität ansehen, was ihre Wertvorstellungen sind und was sie sich wünschen, muss von Bedeutung sein. Meiner Meinung nach reicht es nicht, wenn allein die obere halbe Million einer Bevölkerung einen gewissen Bildungsgrad erreicht hat und die Zusammenhänge und westliche Denkweise versteht und sich vielleicht wuünscht. Wir haben 10,5 Millionen Bürger. Wir müssen auch die anderen 10 Millionen mitnehmen und sie vor allem dort abholen, wo sie sind! Unser Ansatz ist, dass wir die Menschen bilden, sodass sie lesen, schreiben und selbstständig und kritisch denken. Politische Bildung ist dabei einer unserer Schlüsselansätze. Dann können sie noch besser mitentscheiden, was sie wollen. Bezüglich der Pressefreiheit haben wir ein sehr negatives Beispiel in unserer jüngsten Geschichte: 1994 hat die Welt zugehört, als im Radio jeden Morgen von 5 Uhr früh bis spät in die Nacht gesendet wurde: „Mordet die Tutsi!“. Was hat die Welt da gemacht? Ist das etwa die Pressefreiheit, die wir wollen? Es gibt bei uns Gesetze, auch als Antwort auf und Prävention gegen diese Form des Journalismus. Sie sind allen bekannt, und wer dagegen verstößt, muss die Verantwortung für sein Handeln übernehmen. Hier dürfen wir natürlich nicht aus den Augen verlieren, dass viele Journalisten nicht vergleichbare Ausbildungen wie die Journalisten in Europa haben und entsprechend gravierende Fehler machen können. Dies darf aber kein Vorwand sein, die Gesetze nicht zu respektieren. Wenn man sich ansieht, wie es hier in Deutschland war, sieht man ebenfalls einen Prozess. Auch die Deutschen sind 1945 ja nicht eines Morgens aufgestanden und haben alles in der heutigen Ordnung vorgefunden. Es ist immer ein Prozess zwischen Vergangenheitsbewältigung und Aufbau eines zukunftsfähigen Landes. Ich denke, Sie muüssen uns zugestehen, dass wir Zeit brauchen, um unsere Form des gesellschaftlichen Zusammenlebens und der Demokratie zu entwickeln. Die Europäer und vor allem die Deutschen haben 60, 70, 100 Jahre gebraucht, warum müssen wir das in 20 schaffen? Es gibt darüber hinaus sicherlich verschiedene Formen von Demokratie und nicht nur eine einzige Richtige.

Ruanda zählt u. a. aufgrund einer hohen Bevölkerungsdichte und des Völkermords an den Tutsi 1994 zu den ärmsten Ländern Afrikas. Dennoch ist die Wirtschaft in den letzten 10 Jahren um mehr als 7 Prozent gewachsen. Hängeleuchte Brend Hängelampe Weiß Silber Klassisch Höhenverstellbar ModernDer Dienstleistungssektor boomt. Langfristig möchte Ruanda ein ‚Middle Income Country‘ werden, wofür die Regierung zahlreiche Anstrengungen unternimmt, um ausländische Investoren zu werben. Was macht Ihr Land für Investoren attraktiv?

In den letzten Jahren haben wir konsequent Reformen durchgeführt und das Investitionsklima so allgemein verbessert. Im Doing Business Report der Weltbank wurden wir in den letzten Jahren immer als „best reformer“ aufgeführt. In Ruanda kann man beispielsweise innerhalb von sechs Arbeitsstunden eine Firma online registrieren. Für 2014 kommen wir weltweit auf Platz 32 von 189, eine Verbesserung um 22 Plätze im Vergleich zum letzten Jahr. Damit liegen wir vor Ländern wie Belgien, Italien oder Frankreich. Unser Aufstieg im letzten Jahr ist vor allem auf verbesserte Verfahren bei der Anmeldung von Eigentum und der Erteilung von Baugenehmigungen zurückzuführen. Wir versuchen also für ausländische Investoren so attraktiv wie möglich zu sein. Wir stärken aber auch unsere eigene Privatwirtschaft, Kleinst- und Kleinunternehmen mit verschiedenen Maßnahmen, etwa mit (Mikro-)Krediten und Schulungen. Unser Land investiert stark in Bildung, um sicherzustellen, dass qualifiziertes Personal vor Ort vorhanden ist. Besonders unser entschiedener Kampf gegen Korruption macht uns für Investoren attraktiv. In Ruanda haben wir eine Nulltoleranzgrenze gegenüber Korruption und schneiden beim letzten Ranking von Transparency International mit Platz 49 von 175 untersuchten Staaten weltweit sehr gut ab.Eglo 94653 ROMENDO Wandleuchte LED warmweiß 3x4,5W 3000K chrom, Kunststoff klar In Afrika sind nur Botswana und die Inselstaaten Kap Verde und die Seychellen besser platziert. Für uns ist es essenziell, dass die Strukturen, die wir schaffen, auch funktionieren und Regeln umgesetzt werden.

Vom Wirtschaftswachstum profitiert die breite Mehrheit allerdings weniger. Ruanda liegt auf Platz 167 des Human Development Indexes. 45 Prozent aller Ruander gelten als arm. Was kann getan werden, damit die breite Bevölkerung besser in die ökonomische Dynamik eingebunden wird?

Die Aussage, dass die breite Mehrheit nicht von unserem Wachstum profitieren würde, teile ich nicht. Es ist Sinn und Bestreben unserer Politik, dass in erster Linie die Bevölkerung von unserem Wirtschaftswachstum profitiert. Wir können nun mehr öffentliche Güter (Bildung, Gesundheitsversorgung) bereitstellen als zuvor und haben schon mehr als 1 Million Menschen aus der Armut heben können. Abgesehen davon muss man gleichzeitig anerkennen, dass gerade der von Ihnen erwähnte Human Development Index in Ruanda sich stetig verbessert hat – so ist er in den letzten 10 Jahren z. B. um 38 Prozent gestiegen. Es gibt darüber hinaus viele positive Entwicklungen, die jeder Ruander in seinem Alltag spürt. So haben wir in den letzten sieben Jahren die Armut um mehr als 14 Prozent reduzieren können. Ruanda ist eines der wenigen Länder, die bis 2015 die meisten der UN-Millenniumsziele erreichen werden. Wir haben vor ca. sieben Jahren eine flächendeckende Krankenversicherung eingeführt. Darüber hinaus haben wir mittlerweile eine Einschulungsquote von fast 100 Prozent. Unsere Schulen sind staatlich finanziert und für die Schüler kostenfrei für die gesamte 12–jährige Schulausbildung. Sie müssen wissen, dass in Ruanda knapp zwei Drittel der Bevölkerung unter 25 Jahren alt sind. Es gilt also vor allem das Kapital „Mensch“ in unserem Land zu stärken und zu fördern.

Durch den wirtschaftlichen Aufschwung wächst Ruandas Energiebedarf. Erdölprodukte werden vom Indischen Ozean über große Entfernungen herangebracht, Strom vor allem aus Wasserkraft produziert. Dennoch haben nur etwa 15 Prozent der Bevölkerung einen Stromanschluss. Wie wird versucht, das Energieproblem zu lösen?

Die Energieversorgung ist tatsächlich eine Herausforderung auf unserem Kontinent. Der Anteil der Bevölkerung mit Zugang zu Energie in Subsahara-Afrika beträgt gerade mal 31 Prozent. In ländlichen Gebieten sind es gerade mal 12 Prozent. In Ruanda haben wir im Rahmen unserer Möglichkeiten Leitlinien und Praktiken entwickelt, um diese Thematik anzugehen. Wir möchten vor allem darauf achten, dass die Verbesserung des Zugangs zu Energie nicht zulasten der Umwelt geht. Ruanda wirbt für eine grüne Marktwirtschaft und die Nutzung von erneuerbaren Energien. Dies liegt auch daran, dass die sozio-ökonomische Entwicklung unseres Landes anfällig für die negativen Auswirkungen des Klimawandels ist. Darüber hinaus belasten die steigenden Preise fossiler Brennstoffe unser Wirtschaftswachstum. Die Hälfte der Energie, die wir selbst erzeugen, stammt aus Wasserkraftwerken. Der nachhaltige Umgang mit unseren Ressourcen ebenso wie die Verbesserung der Lebensqualität unserer Bürger sind hier unsere Richtschnur. Verschiedene Begleitmaßnahmen tragen dazu bei, die Ökosysteme in Balance zu halten. Wir setzen darüber hinaus auf geothermale Energie, Solarenergie und Energie aus Methangas aus dem Kivusee und bauen überall im Land kleine Elektrokraftwerke auf.

Mit 412 Menschen pro Quadratkilometer ist Ruanda das am dichtesten besiedelte Binnenland Afrikas. Eine Frau hat im Durchschnitt 4 bis 5 Kinder. Auf politischer Ebene bestehen daher Pläne zur Einführung einer „Drei-Kinder- Politik“. Wie könnte diese konkret aussehen und wie soll sie umgesetzt werden?

Es ist in der Tat so, dass unsere Geburtenraten noch hoch sind und wir unserer Bevölkerung empfehlen, weniger Kinder zu bekommen. Der Begriff „Drei-Kinder-Politik“ trifft jedoch nicht zu, da er mit der „Ein-Kind-Politik“ in China assoziiert wird, die eher repressiv durchgesetzt wurde. In Ruanda läuft dies ganz anders. Die Menschen werden professionell zum Thema Familienplanung beraten und dazu ermutigt, nicht mehr als drei Kinder zu bekommen. Auch die verbesserte Gesundheitsversorgung und -betreuung vor, während und nach der Schwangerschaft hat bereits Erfolge erzielt: Die Anzahl der Kinder pro Frau liegt heute unter fünf – vor zehn Jahren lag sie noch bei sieben.

Die Landwirtschaft in Ruanda stellt nur etwa 40 Prozent des BIP. Dabei leben 83 Prozent der Ruander auf dem Land. Früher waren davon 90 Prozent in der Subsistenzwirtschaft. Wie sieht die Situation heute aus?

Ernährungssicherheit ist ein sehr wichtiges Thema für uns. Die meisten Farmen sind Kleinst- und Kleinunternehmen, die meist von Frauen bewirtschaftet werden. In Ruanda haben wir in den letzten Jahren eine Reihe von Reformen durchgeführt: Die traditionellen Anbaumethoden wurden verbessert und optimiert, zum Beispiel durch die Nutzung von Dünger und neuen Technologien. Die Bauern wurden dazu ermutigt, sich in Kooperativen zusammenzuschließen, um dadurch größere Anbauflächen zu haben, die Ressourcen besser nutzen zu können und leichteren Zugang zu Krediten zu erhalten. Darüber hinaus wurden kleinere „Küchen- bzw. Gemüsegärten“ für den Eigenbedarf eingeführt, die den positiven Nebeneffekt haben, dass die Ernährung innerhalb der Familien heute ausgewogener ist. Heute gilt Ruanda als autark in puncto Ernährungsversorgung – dies neben der Steigerung der Produktion des gewerblichen Anbaus wie Kaffee und Tee.

Bezüglich der Gleichberechtigung ist Ruanda sehr fortschrittlich und hat mit 64 Prozent den weltweit höchsten Frauenanteil unter den parlamentarischen Unterhäusern weltweit. Allerdings ist (sexuelle) Gewalt gegen Mädchen auch in Ruanda ein Problem. Welche Gegenmaßnahmen wurden von der Regierung hierzu ergriffen?

Eine Verbesserung der Bedingungen für Frauen in Ruanda hat es in den letzten Jahren nicht nur in der Politik, sondern auch in anderen Bereichen gegeben. Dies wird vor allem bei der Gesetzgebung deutlich: Es gelten für beide Geschlechter gleiche Rechte bei Erbschaft oder Besitztümern. Darüber hinaus wird (sexuelle) Gewalt gegen Frauen hart und konsequent bestraft. Wir sind sehr sensibilisiert, was Gewalt gegen Frauen angeht. Vergewaltigung wurde während des Völkermords gezielt als Kriegswaffe eingesetzt. Wir bauen in Ruanda immer mehr Trauma-Zentren auf und professionalisieren die Betreuung der Opfer. Im Alltag setzen wir viel auf Prävention. Frauen und Mädchen werden in ihrem Selbstbewusstsein gestärkt. Jungen und Männer werden über ihre Rechte und Pflichten gegenüber Frauen und Mädchen aufgeklärt, die Gesellschaft als Ganzes zum Thema weitergebildet.

Ruanda hat besondere Ökosysteme mit einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt. Was wird zum Schutz der Umwelt getan? Gibt es Pläne, das Potenzial Ruandas zukünftig noch stärker für den Individualtourismus zu nutzen?

Ruanda wirbt für eine grüne Marktwirtschaft und macht sich für Maßnahmen gegen den Klimawandel stark. Dies liegt, wie gesagt, daran, dass die sozio-ökonomische Entwicklung unseres Landes anfällig für die negativen Auswirkungen des Klimawandels ist. Wir haben in Ruanda als Umweltschutzmaßnahme beispielsweise den Gebrauch von Plastiktüten verboten. Das ist für viele unvorstellbar. Eine konsequente Durchsetzung des Verbots war dabei wichtig.Bild im Rahmen - Stadt Haus Straße 3948 DE Nach einer Woche hatten alle verstanden, dass es Papiertüten, Stofftaschen und ähnliche Alternativen gibt. Diese Haltung spiegelt sich daher auch in unseren Tourismusangeboten wider. Wir achten beim Thema Tourismus stark auf Naturschutz und den Erhalt des Ökosystems. Daher fördern wir verstärkt den Individual- und Ökotourismus. Ein weiterer Zweig, den wir zurzeit entwickeln, ist der Konferenztourismus: Wir positionieren uns als Standort für internationale Konferenzen.

Das Interview führte Beate Baldow für “Diplomatisches Magazin”. Es erschien in der 08/2014 Ausgabe des Magazins.

Fotos: Mohamed El-Sauaf